Architektur & Planung 4 Min. LesezeitRaumFaktum Rheinland

Ausschreibung anschaulich machen: Panorama-Ausschnitte als Anlage zum Leistungsverzeichnis

Gerade im Bestand kalkulieren Bieter, was sie sich vorstellen, nicht was sie vorfinden. Wie Panorama-Ausschnitte und ein Rundgang das Leistungsverzeichnis ergänzen, ohne es zu ersetzen.

„Wandfliesen im Bad entfernen, Untergrund vorbereiten“: Für den einen Bieter ist das ein Vormittag, für den anderen eine Woche. Wer den Raum nicht gesehen hat, rechnet mit Risikoaufschlag oder fragt nach. Gerade bei Umbau und Sanierung entstehen viele Rückfragen und spätere Nachträge daraus, dass Bieter den Bestand nur aus Worten kennen.

Die Beschreibung bleibt maßgeblich

Zur Vorbereitung der Vergabe in der Leistungsphase 6 gehört das Aufstellen der Leistungsbeschreibungen mit Leistungsverzeichnissen. Für öffentliche Auftraggeber verlangt die VOB/A, die Leistung eindeutig und so erschöpfend zu beschreiben, dass alle Bewerber die Beschreibung im gleichen Sinne verstehen müssen. Aber auch bei privaten Bauherren ist das der Anspruch an ein gutes Leistungsverzeichnis.

Bilder ändern daran nichts. Sie ersetzen keine Position, keine Menge und keine technische Vorgabe. Sie helfen aber, die Beschreibung so zu verstehen, wie sie gemeint ist. Wie Anlagen vertraglich einzuordnen sind und was bei öffentlichen Vergaben zu beachten ist, sollten Sie im Zweifel mit einer Fachberatung für Vergabe- und Baurecht klären.

Welche Bilder helfen

Nicht jede Position braucht ein Bild. Sinnvoll sind Ausschnitte dort, wo der Bestand die Kalkulation bestimmt:

  • Rückbau und Abbruch. Was ist zu entfernen, wie zugänglich ist es, wie viel liegt dahinter?
  • Anschlüsse an den Bestand. Wo trifft Neues auf Altes, und in welchem Zustand ist das Alte?
  • Zugänglichkeit. Treppenhaus, Zufahrt, Lagerflächen, Engstellen für Material und Geräte.
  • Besondere Bauteile. Was erhalten und geschützt werden muss, etwa Treppen, Türen oder Böden.
  • Technische Bestandsanlagen. Verteilungen, Steigstränge, Anschlüsse, an die angeschlossen werden soll.

Ausschnitte aus dem Rundgang gewinnen

Aus einem 360°-Panorama lässt sich jede Blickrichtung als Ausschnitt ausgeben. Das hat gegenüber einzelnen Fotos einen Vorteil: Die Ausschnitte stammen aus einem vollständigen Rundgang, und Sie wählen den Blickwinkel im Büro, nicht unter Zeitdruck auf der Baustelle.

Ein bewährter Ablauf:

  1. Positionen verorten. Für die Positionen, die ein Bild brauchen, eine Notiz an die Stelle im Panorama setzen. Im Text die Positionsnummer aus dem Leistungsverzeichnis.
  2. Ausschnitte erzeugen. Den Planungsstand als PDF ausgeben. Er enthält gerenderte Ansichten und zu jeder Notiz einen Ausschnitt mit dem Eintrag. Für einzelne Bilder hilft ein Screenshot direkt aus dem Rundgang.
  3. Anlage zusammenstellen. Die Ausschnitte geordnet nach Positionsnummer als Bildanlage beifügen und im Leistungsverzeichnis darauf verweisen.
  4. Konsistenz prüfen. Bilder und Text dürfen sich nicht widersprechen. Wenn ein Bild mehr zeigt, als ausgeschrieben ist, gehört ein klarer Hinweis dazu, was zur Leistung gehört.

Den Rundgang zugänglich machen

Neben der Bildanlage kann ein Share-Link auf den Rundgang Bietern ermöglichen, sich selbst im Bestand umzusehen. Der Link funktioniert im Browser ohne Konto, und Sie bestimmen, welche Inhalte sichtbar sind. Interne Notizen, Kostenschätzungen oder Abstimmungen mit dem Bauherrn bleiben verborgen.

Bei öffentlichen Vergaben ist darauf zu achten, dass alle Bieter denselben Zugang zu denselben Informationen erhalten. Ein Rundgang ersetzt auch nicht in jedem Fall eine Ortsbesichtigung, wenn diese für die Kalkulation erforderlich ist.

Was nicht ins Bild gehört

Bei bewohnten oder genutzten Gebäuden zeigen Panoramen oft Personen, Namensschilder, Dokumente oder private Gegenstände. Diese Bereiche lassen sich vor der Weitergabe unkenntlich machen. Auch Produkte, die im Bestand oder bei einer Bemusterung zu sehen sind, sollten nicht ungewollt als Vorgabe verstanden werden. Bei öffentlichen Vergaben gilt grundsätzlich das Gebot der produktneutralen Ausschreibung.

Rückfragen im Vergabeverfahren

Auch mit Bildanlage werden Bieter Fragen stellen. Antworten, die sich auf eine Stelle im Bestand beziehen, lassen sich mit einem Ausschnitt aus dem Rundgang besser beantworten als mit einer Beschreibung. Bei öffentlichen Vergaben gilt auch hier, dass Antworten allen Bietern gleichermaßen zur Verfügung zu stellen sind. Halten Sie Fragen und Antworten intern an der betreffenden Stelle im Rundgang fest. So sehen Sie bei der Auswertung der Angebote und später in der Bauüberwachung, welche Klarstellungen es zu dieser Position gab.

So hilft RaumFaktum 360

RaumFaktum 360 hält den Bestand als Rundgang mit einem Panorama je Raum fest. Notizen sitzen an der Stelle, der Planungsstand-PDF enthält gerenderte Ansichten und Ausschnitte je Eintrag, Screenshots entstehen direkt im Rundgang. Share-Links zeigen nur ausgewählte Inhalte und funktionieren ohne Konto, sensible Bereiche lassen sich unkenntlich machen. An Notizen lassen sich Dateien wie PDF oder GAEB anhängen.

Sehen Sie sich den Planungsstand-Export im Musterprojekt an: Demo starten.

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