Barrierefrei umbauen: Bestand, Maße und Bedarf vor der Planung erfassen
Ob für die eigenen Eltern oder für sich selbst: Ein altersgerechter Umbau beginnt mit einer ehrlichen Bestandsaufnahme. Welche Maße zählen und wie Sie Wohnberatung, Handwerker und Familie einbinden.
Ein barrierefreier Umbau beginnt selten aus reiner Vorfreude. Oft ist es ein Sturz, eine Diagnose oder der Gedanke, dass die Eltern im eigenen Haus alt werden möchten. Dann muss es schnell gehen, und genau dann werden Entscheidungen getroffen, die später nicht passen: eine Dusche, die zwar ebenerdig ist, aber zu schmal für einen Rollator, oder ein Treppenlift, der die Haustür blockiert. Eine gründliche Bestandsaufnahme vor der Planung verhindert vieles davon.
Der beste Zeitpunkt für die Planung ist, bevor ein akuter Bedarf entsteht. Dann können Sie in Ruhe entscheiden, Angebote vergleichen und Arbeiten mit ohnehin anstehenden Sanierungen verbinden. Wer ohnehin das Bad erneuert, kann die Dusche gleich bodengleich planen und Wände für spätere Haltegriffe verstärken lassen. Das kostet wenig mehr, spart aber später einen zweiten Umbau.
Was im Bestand erfasst werden sollte
Gehen Sie das Haus mit den Augen der Person durch, die dort leben wird, und halten Sie fest:
- Zugang: Stufen vor der Haustür, Breite des Wegs, Beleuchtung, Klingel und Briefkasten.
- Türen: lichte Durchgangsbreite jeder Tür, Schwellen, Drehrichtung.
- Flure und Bewegungsflächen: freie Fläche vor Bett, WC, Waschtisch und Küchenzeile.
- Treppen: Breite, Handläufe auf beiden Seiten, Beleuchtung, Platz für einen Treppenlift.
- Bad: Duschtasse oder Wanne, Höhe des WC, Waschtisch unterfahrbar, Platz für Haltegriffe.
- Bedienelemente: Höhe von Schaltern, Steckdosen, Fenstergriffen und Heizungsventilen.
- Bodenbeläge: Teppichkanten, Übergänge, rutschige Fliesen.
Orientierungswerte
Für barrierefreies Bauen in Wohnungen gibt die DIN 18040-2 Orientierungswerte vor. Im Bestand lassen sie sich nicht immer erreichen, aber sie zeigen, worauf es ankommt:
| Thema | Orientierungswert | | --- | --- | | Lichte Türbreite | mindestens 80 cm, für Rollstuhlnutzung 90 cm | | Bewegungsfläche | 120 x 120 cm, für Rollstuhlnutzung 150 x 150 cm | | Schwellen | möglichst keine, sonst höchstens 2 cm | | Dusche | bodengleich, ausreichend große Fläche | | Bedienelemente | in etwa 85 cm Höhe gut erreichbar |
Lassen Sie sich die konkreten Anforderungen für Ihren Fall von einer Wohnberatung oder einem Architekten erklären. Nicht jeder Umbau muss alle Werte erfüllen; wichtig ist, was die betroffene Person im Alltag braucht.
Alltagswege durchgehen
Maße allein reichen nicht. Gehen Sie typische Wege durch: vom Bett ins Bad in der Nacht, von der Haustür in die Küche mit Einkäufen, vom Sessel zur Terrasse. Wo muss man sich festhalten, wo wird es eng, wo ist es dunkel? Notieren Sie solche Beobachtungen direkt an der Stelle. Ein Hinweis „hier stützt sich Mutter an der Kommode ab“ ist für den Planer wertvoller als jede Tabelle.
Beziehen Sie die betroffene Person ein. Was sie selbst als Hindernis empfindet, ist oft etwas anderes als das, was Angehörige vermuten.
Fachleute und Kostenträger einbinden
Für altersgerechte Umbauten gibt es Unterstützung. Wohnberatungsstellen beraten oft kostenfrei. Bei anerkanntem Pflegegrad kann die Pflegekasse Zuschüsse zu Maßnahmen gewähren, die das Wohnen erleichtern; der Antrag sollte vor Beginn der Arbeiten gestellt werden. Auch Förderprogramme, etwa der KfW, kommen in Frage; die aktuellen Bedingungen ändern sich, informieren Sie sich daher vor dem Auftrag.
Eine gute Dokumentation macht diese Gespräche einfacher. Berater, Handwerker und Angehörige, die nicht vor Ort wohnen, sehen das Haus, ohne dass jedes Mal ein Termin nötig ist. Wie Sie andere einbeziehen, beschreibt der Beitrag 360°-Rundgang teilen.
Umbau in Etappen
Nicht alles muss sofort passieren. Eine sinnvolle Reihenfolge ist: zuerst Sturzgefahren beseitigen (Schwellen, Beleuchtung, Handläufe), dann das Bad, dann größere Eingriffe wie Treppenlift oder Rampe. Wenn Sie im bewohnten Haus umbauen, hilft der Beitrag Renovieren im bewohnten Haus bei der Planung der Abschnitte.
So hilft RaumFaktum 360
Mit der Bauherren-Lizenz erfassen Sie den Bestand Raum für Raum als ersten Begehungsstand. Gemessene Türbreiten und Bewegungsflächen tragen Sie als Maß mit Bezeichnung direkt an der Stelle im Panorama ein, Hindernisse und Beobachtungen setzen Sie als Notiz an die Stelle. Wohnberatung, Architekt, Handwerker und Familie laden Sie kostenlos ein. Jede Umbauetappe wird ein eigener Stand, den Sie im Reiter „Vergleich“ neben den Ausgangszustand legen.
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