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Bestandsaufnahme Elektro im Altbau: Was Sie vor dem Angebot festhalten

Im Altbau entscheidet die Bestandsaufnahme über die Kalkulation. Welche Punkte Elektrobetriebe beim ersten Termin prüfen und wie sie den Bestand so festhalten, dass das Angebot im Büro entsteht.

Ein Einfamilienhaus aus den Sechzigern, der Kunde möchte „die Elektrik modernisieren“. Beim ersten Termin geht es schnell durchs Haus, ein paar Fotos vom Zählerschrank, ein Blick in den Keller. Zurück im Büro beginnt das Rätseln: Wie viele Steckdosen hatte das Kinderzimmer? War die Kellerdecke aus Beton oder Holz? Lag die Leitung zum Gartenhaus im Erdreich oder an der Wand? Also ein zweiter Termin, oder ein Angebot mit großzügigen Pauschalen.

Warum der Altbau eine eigene Bestandsaufnahme braucht

Im Neubau gibt es Pläne, im Altbau meist nicht. Was in der Wand liegt, wie die Stromkreise aufgeteilt sind und welche Schutzmaßnahmen vorhanden sind, zeigt sich erst vor Ort. Gleichzeitig hängt die Kalkulation stark vom Bestand ab: Schlitze in Ziegel oder Beton, Aufputz im Keller, Deckenhöhen, Zugänglichkeit des Dachbodens. Wer hier schätzt, kalkuliert entweder zu knapp oder zu teuer.

Checkliste für den ersten Termin

Diese Punkte sollten Sie beim ersten Rundgang mindestens erfassen:

  1. Hausanschluss und Zählerplatz. Lage, Zustand, Platz für einen neuen Zählerschrank, Abstand zum Hausanschlusskasten.
  2. Bestehende Verteilungen. Anzahl, Bestückung, vorhandene Fehlerstrom-Schutzeinrichtungen, Beschriftung.
  3. Netzform und Schutzleiter. Gibt es in allen Räumen einen Schutzleiter, oder finden sich noch zweiadrige Leitungen?
  4. Leitungsarten. Sichtbare Leitungen im Keller und auf dem Dachboden, Hinweise auf alte Stegleitungen oder textilummantelte Adern.
  5. Wandaufbau je Raum. Massiv, Trockenbau, Holz, Fliesenspiegel. Das bestimmt die Montagezeit je Dose.
  6. Bestehende Schalter und Steckdosen. Anzahl und Position je Raum, damit die neue Planung darauf aufbauen kann.
  7. Besonderheiten. Feuchte Keller, Außenanlagen, Nebengebäude, vorhandene Wallbox-Vorbereitung oder PV.
  8. Vorschäden. Risse, Wasserflecken, lose Dosen. Alles, was später als Schaden durch Ihre Arbeit gelten könnte.

Ob und in welchem Umfang eine Bestandsanlage angepasst werden muss, hängt vom Einzelfall ab. Bei Fragen zum Bestandsschutz und zu Anpassungspflichten lohnt der Blick in die aktuellen Normen und gegebenenfalls die Abstimmung mit dem Netzbetreiber oder Ihrer Innung.

Den Bestand vollständig aufnehmen statt auszuwählen

Das Hauptproblem einzelner Fotos ist die Auswahl. Fotografiert wird, was beim Termin wichtig erscheint. Eine 360°-Aufnahme je Raum nimmt alles auf: alle Wände, Decke, Boden, jede Dose, jede Leitung auf Putz. Ein Standpunkt pro Raum reicht, die Aufnahme dauert Sekunden. Zurück im Büro sehen Sie den Raum noch einmal so, als stünden Sie darin.

Ergänzend gehören an die entscheidenden Stellen:

  • Detailfotos vom geöffneten Verteiler und vom Zählerplatz
  • Maße für Wandlängen, Deckenhöhen und Abstände
  • Notizen zu Befunden wie „kein Schutzleiter an dieser Dose“

Vom Bestand zur Planung

Liegt der Bestand als eigener Begehungsstand vor, wird er zur Grundlage der Planung. Im nächsten Stand setzen Sie die neuen Steckdosen, Schalter und Leuchten direkt an die Wand im Panorama, ordnen sie Stromkreisen zu und hinterlegen den Wandaufbau des Raums. Der Bestand bleibt unverändert erhalten, die Planung baut darauf auf.

So entsteht ein Angebot, das im Büro geschrieben werden kann, ohne zweiten Termin. Und wenn der Kunde fragt, warum der Keller teurer ist als gedacht, zeigen Sie ihm die Betondecke im Panorama.

Mit dem Kunden über Wünsche sprechen

Nutzen Sie den ersten Termin auch für die Wünsche des Kunden. Wo stehen später Fernseher, Schreibtisch und Bett? Soll die Küche umgebaut werden, kommt eine Wärmepumpe oder eine Wallbox dazu? Halten Sie diese Wünsche als Notiz im jeweiligen Raum fest. So sehen Sie im Büro Bestand und Wünsche an derselben Stelle und müssen nicht zwischen Fotos und Gesprächsnotizen hin- und herspringen.

Der Bestand als Beweissicherung

Die Bestandsaufnahme hat einen zweiten Nutzen. Wer vor Arbeitsbeginn jeden Raum vollständig festgehalten hat, kann später zeigen, welche Schäden schon vorher da waren. Vorschäden markieren Sie als Notiz mit Foto und Datum. Wie belastbar eine solche Dokumentation im Streitfall ist, beurteilt im Zweifel ein Sachverständiger oder Fachanwalt.

So hilft RaumFaktum 360

In RaumFaktum 360 laden Sie die 360°-Aufnahmen als Begehungsstand „Bestand“ hoch und heften Notizen, Maße und Detailfotos an die Stelle. Für die Planung setzen Sie Bauteile mit Leitungsweg und Wandaufbau je Raum, ordnen sie in der Elektroplanung Stromkreisen und Verteilungen zu und erhalten daraus Materialliste, Kalkulation und Angebot. Einen vorhandenen Grundriss laden Sie auch als PDF hoch.

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