Fernbegehung statt Anfahrt: wann der Rundgang die Fahrt zur Baustelle ersetzt
Nicht jede Frage braucht eine Fahrt zur Baustelle. Wie Büros Fernbegehungen mit dem 360°-Rundgang organisieren, welche Termine sich dafür eignen und wo die Anwesenheit vor Ort unverzichtbar bleibt.
Die Projektleiterin fährt eine Stunde zur Baustelle, um zu klären, ob die Aussparung für den Lüftungskanal an der richtigen Stelle sitzt. Vor Ort dauert die Klärung zehn Minuten, danach geht es eine Stunde zurück. Der Tragwerksplaner, der dieselbe Frage hätte beantworten müssen, war nicht dabei. Die Fahrzeit ist Arbeitszeit, die an anderer Stelle im Büro fehlt.
Was sich aus dem Büro klären lässt
Nicht jede Frage erfordert Anwesenheit. Ein großer Teil der Klärungen im Projektalltag betrifft Lage, Zustand und Vollständigkeit: Wo sitzt etwas, ist es da, sieht es so aus wie geplant? Solche Fragen lassen sich anhand eines aktuellen 360°-Rundgangs oft aus dem Büro beantworten, zum Beispiel:
- Lage von Aussparungen, Durchbrüchen und Leerrohren vor dem Schließen
- Stand eines Gewerks vor dem Start des nächsten
- Rückfragen der Ausführenden zu Details, die sich am Bild erklären lassen
- Vorbereitung eines Termins: Was muss vor Ort genauer angesehen werden?
- Abstimmung mit Fachplanern, die nicht zu jedem Termin anreisen
Wo der Termin vor Ort bleibt
Eine Fernbegehung ersetzt nicht die Objektüberwachung vor Ort. Wie häufig und in welcher Intensität die Bauleitung auf der Baustelle präsent sein muss, hängt vom Vertrag, vom Projekt und von der Schwierigkeit der jeweiligen Arbeiten ab. Abnahmen, sicherheitsrelevante oder besonders schadensträchtige Arbeiten und alles, was sich nur durch Anfassen, Messen oder Prüfen beurteilen lässt, gehören weiter vor Ort. Zu Haftungsfragen bei der Überwachung ist im Zweifel eine Fachberatung im Bau- und Architektenrecht sinnvoll.
Die Fernbegehung ist deshalb kein Ersatz, sondern eine Ergänzung: Sie macht den Termin vor Ort gezielter und spart die Fahrten, die nur einer kurzen Sichtprüfung dienen.
Wer aufnimmt
Damit das Büro aus der Ferne prüfen kann, muss jemand vor Ort aufnehmen. Bewährt haben sich zwei Modelle:
- Örtliche Bauleitung des Büros. Wer ohnehin regelmäßig auf der Baustelle ist, nimmt bei jedem Besuch einen Stand auf. Die Projektleitung im Büro prüft danach in Ruhe.
- Gebündelte Aufnahme. Bei weiter entfernten Baustellen nimmt eine Person des Büros bei jedem Besuch alle Räume auf, auch die, um die es an diesem Tag nicht geht. So liegt für die nächsten Fragen bereits ein aktueller Stand vor.
Wichtig ist, dass jeder Stand vollständig ist und von festen Standpunkten aufgenommen wird. Nur dann ist der Vergleich mit dem vorigen Stand aussagekräftig.
Ablauf einer Fernbegehung
- Stand hochladen. Die Panoramen werden je Raum dem neuen Begehungsstand zugeordnet.
- Prüfen. Die Projektleitung geht die Räume durch, nutzt den Grundriss mit Sichtkegel zur Orientierung und vergleicht mit dem vorigen Stand.
- Festhalten. Fragen, Abweichungen und Anweisungen als Notiz oder Aufgabe an die Stelle setzen, mit Gewerk, Verantwortlichem und Frist.
- Beteiligte informieren. Fachplaner und Ausführende, die im Projekt eingeladen sind, sehen die Einträge in ihrer Inbox und antworten per Kommentar an der Stelle.
- Vor-Ort-Termin planen. Was sich aus dem Bild nicht klären lässt, kommt als Aufgabe auf die Liste für den nächsten Termin.
Fachplaner ohne eigene Anreise
Besonders viel Fahrzeit entsteht, wenn Fachplaner für kurze Klärungen anreisen. Ein Link, der den Rundgang direkt an der betreffenden Stelle öffnet, gibt dem Tragwerksplaner oder dem TGA-Planer den Kontext, den er für seine Antwort braucht. Ob er danach trotzdem kommen muss, entscheidet er auf einer besseren Grundlage.
Nachvollziehbar statt flüchtig
Ein Telefonat mit dem Polier oder ein Videoanruf klärt Fragen schnell, hinterlässt aber keine Spur. Bei der Fernbegehung im Rundgang ist jede Klärung dokumentiert: welcher Stand, welche Stelle, wer hat was gefragt und geantwortet. Das hilft dem Büro intern bei Vertretungen und Übergaben, und es hilft später, wenn nachvollzogen werden muss, wann eine Entscheidung gefallen ist.
Im Büro einführen
Fernbegehungen funktionieren, wenn sie zur Routine werden. Hilfreich sind klare Absprachen: Wer nimmt bei welchem Besuch auf, bis wann ist ein Stand hochgeladen, wer prüft ihn? Ein erstes Projekt mit überschaubarer Größe zeigt schnell, welche Fragen sich aus dem Büro klären lassen und welche nicht.
So hilft RaumFaktum 360
RaumFaktum 360 führt jeden Baustellenbesuch als Begehungsstand mit einem Panorama je Raum. Im Büro prüfen Sie mit Grundriss, Sichtkegel und Versionsvergleich, setzen Notizen und Aufgaben an die Stelle und erreichen Fachplaner und Ausführende über Inbox und Kommentare. Links öffnen den Rundgang an einer bestimmten Stelle, Share-Links zeigen nur die ausgewählten Inhalte.
Probieren Sie eine Fernbegehung im Musterprojekt: Demo starten.
RaumFaktum 360
Baubegehung, Planung und Bauherren-Abstimmung im 360°-Panorama
Für Handwerksbetriebe, Architekten und Bauherren. 80 € netto pro Monat je Betrieb, Bauherren und Partner kostenlos.
Weiterlesen
Mängelverfolgung in der Objektüberwachung: eine Liste für alle Gewerke
Mängel liegen selten sauber in einem Gewerk. Wie Sie in der Objektüberwachung eine gemeinsame Mängelliste führen, die jede Stelle zeigt, jedem Gewerk seinen Teil zuweist und bis zur Erledigung nachvollziehbar bleibt.
WeiterlesenBaufortschritt dokumentieren: Begehungsstände gegen den Terminplan lesen
Ein Terminplan sagt, was fertig sein soll. Erst die Dokumentation zeigt, was fertig ist. Wie Sie Begehungsstände so anlegen, dass der Abgleich mit dem Terminplan in jeder Baubesprechung gelingt.
WeiterlesenObjektbetreuung: die Begehung vor Ablauf der Verjährungsfristen vorbereiten
Jahre nach der Abnahme steht die Begehung vor Ablauf der Verjährungsfristen an. Wie Sie mit dem Rundgang vom Tag der Abnahme vergleichen, Mängel sauber festhalten und die Bewertung vorbereiten.
Weiterlesen